Es gibt keine schwierigen Kinder

“Du bist/warst aber auch ein schwieriges Kind”.

Dieser Satz ist eine Killerphrase. Er lädt jegliche Verantwortung beim Kind ab und lässt keine Widerrede zu. Der Erwachsene, der diesen Satz sagt, verschafft sich damit eine Rechtfertigung für seine – im Grunde hilflose – Reaktion auf das Verhalten des Kindes, mit dem ER nicht klarkommt. Der Satz entbehrt jeglicher Empathie und zeigt, dass der Erwachsene nicht willens oder in der Lage ist, sich mit dem Befinden des Kindes zu beschäftigen.

Was geschieht in einem Kind, dem dieser Satz immer wieder gesagt wird, sei es verbal, mittels Mimik oder Gestik oder auch nur in Gedanken?

Das Kind wird die Schwingung aufnehmen und FÜHLEN, dass mit ihm etwas nicht stimmt oder es nicht erwünscht ist.

Es wird glauben, dass es schwierig ist, denn es glaubt alles, was die Eltern ihm sagen. Die Eltern sind seine Götter und es ist von ihnen abhängig. Es ist von ihrer Liebe abhängig und von ihrer Versorgung. Es kann nicht erwidern, dass diese Aussage eine Lüge ist, selbst wenn es dies erkennen würde.

Es wird glauben, dass es so, wie es ist, nicht gut genug ist. Es wird glauben, dass es sich auf eine bestimmte Art verhalten muss, damit es geliebt wird. Es macht die Erfahrung, dass es keine bedingungslose Liebe gibt. Das Kind wird in sich eine tiefe Unsicherheit bezüglich seiner Identität entwickeln und ständig an sich zweifeln. Es wird seine Antennen ausfahren und ein feines Gespür dafür entwicklen, wie sich der Vater oder die Mutter gerade fühlt, um sich entsprechend der (vermeintlichen) Erwartungen zu verhalten und weitere Sanktionen zu vermeiden. Und sich damit immer mehr vom eigenen Wesenskern entfernen.

Es kann sogar sein, dass das Kind dafür sorgen wird, dass dieser Satz wahr wird – ganz im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Es wird vielleicht lautstark auf sich aufmerksam machen oder den Druck, der sich in ihm durch die erfahrene Ablehnung aufgebaut hat, in aggressiver Form gegen andere richten und später dann auch gegen sich selbst. Dadurch wird es noch weniger Zuwendung und Verständnis bekommen und noch mehr Ablehnung erfahren. Andere Kinder werden vielleicht den inneren Rückzug antreten, werden in die Resignation gehen und den Schmerz der Ablehnung in sich aufbauen.

Aus solchen Kinden werden Erwachsene, die nicht an sich selbst glauben.

Sie können weder sich selbst noch anderen vertrauen und kennen ihren Wert nicht. All die hinderlichen Glaubenssätze, mit denen Erwachsene sich herumschlagen, wie “Ich bin nicht genug”, “Ich bin nicht in Ordnung, so wie ich bin”, “Mich kann niemand lieben” etc. entstehen meist in dieser Zeit (wenn sie nicht bereits in Vorleben entstanden sind und in diesem Leben aufgelöst werden sollen, was jedoch auf dasselbe hinaus läuft).

Diese Kinder werden einmal Erwachsene sein und selbst Kinder haben. Was werden sie ihren Kindern wohl weitergeben? Genau! Dasselbe, was sie selbst auch erfahren haben…

… WENN sie nicht die Chance ergreifen und diesen zerstörerischen Kreislauf stoppen, indem sie ihr Leben und damit auch die Verantwortung für sich selbst in die Hand nehmen und sich selbst heilen.

Das bedeutet, die Opferrolle zu verlassen und zum Schöpfer seiner Realität zu werden.

Erwachsene, deren Innere Kinder verletzt sind, handeln aus der Unbewusstheit heraus. Sie können nicht erkennen, dass das Verhalten des Kindes ein SPIEGEL für sie ist, der sie darauf hinweisen möchte, nach Innen zu gehen und in sich das anzuschauen, was sie in ihrem Kind ablehnen!

Deshalb ist es so wichtig, dass die Erwachsenen ihre Inneren Kinder heilen, damit sie ihre eigenen Schatten nicht mehr auf die Kinder projezieren und dort bekämpfen müssen. Damit sie liebevolle und fürsorgliche Eltern werden, die ihren äußeren Kindern das Gefühl vermitteln, einzigartige, wundervolle, gesegnete, großartige, geliebte, göttliche Wesen zu sein, denen alle Türen der Welt offenstehen und die mit Selbstliebe, Selbstvertrauen, Kreativität, Empathie, innerer Freiheit und Selbtbestimmtheit ihr Leben leben und die Welt durch ihre pure Anwesenheit zu einem besseren, schöneren, liebevolleren Ort machen.

 

 

 

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